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Tuberkulose systematisch bekämpfen: Wie die Umgebung das TB-Risiko prägt

19.02.2026

In einer neuen Studie stellen LMU-Forschende einen Ansatz vor, der Tuberkulose als Folge umfassenderer systemischer Kräfte betrachtet.

Trotz großer Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung ist Tuberkulose (TB) nach wie vor die tödlichste Infektionskrankheit weltweit. In einer neuen Studie, die in The Lancet Global Health veröffentlicht wurde, stellen Forschende der LMU nun das Konzept der „tuberkulogenen Umgebung“ vor: das komplexe Zusammenspiel von Strukturen, Regulierungen und Lebensbedingungen, das bestimmte Gemeinschaften einem hohen TB-Risiko aussetzt, selbst wenn medizinische Versorgung verfügbar ist.

Die Autorinnen und Autoren, darunter die mit der LMU affiliierten Wissenschaftlerinnen Dr. Mikaela Coleman und Professorin Katharina Kranzer (Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum), nutzten dafür einen systemischen Ansatz, um TB nicht nur als medizinisches Problem zu betrachten, sondern als Folge umfassenderer systemischer Kräfte, die Gesundheit und Vulnerabilität beeinflussen.

Das „tuberkulogene Umfeld“ umfasst demnach Armut, unzureichende Wohnverhältnisse, eingeschränkten Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, schlecht belüftete öffentliche Infrastruktur und unterfinanzierte Gesundheitsdienste. Mit seinem Ansatz kartiert das Forschungsteam die Akteure und Kräfte – über Sektoren, Institutionen, globale Märkte, kommerzielle Interessen und Umweltbedingungen hinweg –, die die Rahmenbedingungen prägen, unter denen Tuberkulose entstehen kann.

Den Forschenden zufolge wird bei aktuellen Bemühungen zu viel Verantwortung auf diejenigen abgewälzt, die am wenigsten handeln können – Menschen, die von TB betroffen sind, und nationale TB-Bekämpfungsprogramme –, während die übergeordneten Strukturen, welche die Epidemie begünstigen, übersehen werden. Ihre systemwissenschaftliche Perspektive zeigt, dass Entscheidungsträger in vielen Sektoren gemeinsam Verantwortung für die Bekämpfung von TB tragen. Um TB weltweit auszurotten, sind laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern koordinierte Maßnahmen erforderlich, die Gleichberechtigung fördern, die Gesundheit schützen und die Umstände verändern, unter denen TB weiterhin gedeihen kann.

„Wir behandeln Menschen gegen Tuberkulose und schicken sie dann zurück in dieselbe Umgebung, in der sie überhaupt erst daran erkrankt sind – wodurch sich der Kreislauf aus Krankheit und Armut fortsetzt“, sagt Mikaela Coleman, eine der Erstautorinnen. „Diese Umgebungen werden von Kräften und Akteuren geprägt, die über den nationalen TB-Programmen stehen und über einzigartige Einflussmöglichkeiten verfügen, um Gemeinschaften zu schützen, die in Umgebungen mit hohem Tuberkulose-Risiko leben, arbeiten und alt werden. Wir fragen: Wer ist dafür verantwortlich und was könnte man konkret dagegen tun?“

Mikaela Coleman et al.: The tuberculogenic environment. The Lancet Global Health 2026

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